Haus kaufen oder Haus bauen?

Haus kaufen oder Haus bauen? 5 Entscheidungshelfer

Wenn die gemietete Stadtwohnung zu klein und der Traum vom Eigentum größer wird, stellt sich eine große Frage: Kaufen oder Bauen. Grob gesagt: Will ich in ein Gebäude investieren, dass bis ins kleinste Detail meinen Bedürfnissen entspricht, oder will ich auf der finanziell sichereren Seite bleiben? Dass dies nicht die einzigen Überlegungen sind, wird schnell klar. Wir helfen Ihnen die richtigen Fragen zu stellen, um eine für Sie passende Entscheidung zwischen Hauskauf und Hausbau zu treffen.

Bevor wir zu dem Thema ins Detail gehen, hier schonmal vorweg eine Checkliste der wichtigsten 10 Fragen, die Ihnen bei der Entscheidung helfen werden:

  • Wie viel Geld sind Sie bereit aufzuwenden?
  • Wie viel Eigenleistung können Sie zum Bau beitragen?
  • Gibt es Tendenzen bei den Förderleistungen in dem Gebiet in dem Sie wohnen wollen?
  • Wie viel Zeit, Aufwand und Nerven sind Sie bereit zu investieren?
  • Haben Sie eine genaue Vorstellung von Ihrem Eigenheim?
  • Wären Sie bereit Kompromisse einzugehen?
  • Wo möchten Sie gerne wohnen?
  • Wie wichtig sind Ihnen Infrastruktur und Umgebung?
  • Wie bewandert sind Sie, was das Bauwesen betrifft?
  • Worauf legen Sie Wert, wenn es um Umweltfreundlichkeit geht?

✓ Wie viel Planungs- und Bauaufwand möchten Sie tragen?

Starten wir beim Wunsch ein Haus zu besitzen. Option Eins – der Hauskauf – erstreckt sich über die Entscheidung über groben Standort, Größe, Stil, etc., die Suche nach der passenden Immobilie, die Finanzierung, das Aufsetzen des Kaufvertrags, diverse Behördengänge und das Haus gehört Ihnen. Je nach Zustand schlüsselfertig. Vielleicht kommen dann noch einige Renovierungsarbeiten und natürlich der Einzug dazu, aber das war’s soweit.

Entscheiden Sie sich für den Hausbau sind Sie zu dem Zeitpunkt vielleicht gerade einmal dabei den Keller auszugraben, oder haben die Planung des Hausbaus abgeschlossen. Der Prozess zum individuellen Eigenheim ist ein langer und mit viel persönlichem Engagement verbunden. Denn selbst, wenn Sie eine kompetente Baufirma beauftragen, die Kommunikation zwischen Laien und Baumeistern birgt vereinzelte Risiken. Auch beim Hausbau ist immer ein bisschen Ungewissheit mit dabei; immerhin kann das Objekt ja nicht im Vorhinein besichtigt werden.

Anders ist das naturgemäß beim Hauskauf. Wenn man schonmal in den potentiellen, künftigen eigenen Vier Wänden steht, kann man sich leichter vorstellen, worauf man sich einlässt. In der Theorie muss da auch auf jeden Mangel hingewiesen werden. In der Praxis kauft man leider doch manchmal die Katze im Sack. Alte Wasserschäden oder Bauauflagen für den Ausbau und andere Ärgernisse, kommen oft erst zur Sprache, wenn der Füller schon fast die Unterschrift auf den Kaufvertrag kratzt.

✓ Was erwarten Sie sich bezüglich Kosten und Finanzierung?

Der fast allgemeingültige Grundsatz direkt vorweg: Neubau ist teurer. Abhängig von Lage und den dortigen Grundstücks- bzw. Eigentumswohnungspreisen, vom Bauunternehmen und möglicher Eigenleistung beim Bau schwankt die Differenz zwischen den Kosten für Kauf und Neubau zwar, aber in der Regel steigt man beim Kauf günstiger aus.

Hausbau

Ein Haus zu bauen ist teurer, allerdings bringt es auch einige Vorteile mit sich. © Gina Sanders – stock.adobe.com

Allerdings gibt es beim Erwerb einer bestehenden Immobilie oftmals versteckte Kostenfaktoren, in Form von Renovierungs- und Umbauarbeiten, die in der Schnelle des Immobilienhandels gerne übersehen werden. Achten Sie darüber hinaus auf mögliche Förderungsleistungen für den Kauf von Häusern. Die könnten sich wiederum positiv auf den Preis auswirken.

Was die Immobilienfinanzierung betrifft bieten sich je nach Option – Bau oder Kauf – verschiedenartige Kredite an. Während beim Kauf die Kreditsumme auf einen Schlag sofort gezahlt wird, braucht der Bauherr den Kredit für den Neubau nur stückchenweise.

Hier ist Vorsicht bei sogenannten Bereitstellungszinsen geboten. Bleibt das Geld zu lange auf dem Konto, verrechnen manche Banken Extrazinsen. Das kostet Sie dann mehrere hundert Euro pro Monat mehr.

✓ Wo wollen Sie bauen bzw. kaufen? Der Standort.

Wenn Sie sich entschieden haben, wo Sie gerne in Zukunft wohnen möchten, kann auch dies bei der Entscheidung helfen. Wie bereits angesprochen, kann das unheimliche Preisunterschiede mit sich bringen.

Zudem ist der Standort flächentechnisch ausschlaggebend. Wenn Sie lieber in der Stadt oder in Stadtnähe residieren, werden Sie es mit der Suche nach einem freien Baugrund nicht sehr einfach haben. Die in jüngerer Vergangenheit erschlossenen Neubaugebiete halten genügend Bauflächen bereit, doch die Umgebung aus schlammigen Grundstücken, halbfertigen Gebäuden und noch nicht ganz ausgeprägter Infrastruktur können doch recht abschrecken.

Altbaugebiete locken dagegen mit architektonischem Nostalgiefaktor, Stadtnähe, Infrastruktur und dem Charme gewachsener Umgebungen.

Möchten Sie lieber ins Grüne aufs Land ziehen, bietet sich schon eher ein Neubau an. Dort sind Grundstücke meistens erschwinglicher und die Umgebung noch nicht verbaut. Andererseits gibt es speziell in ländlichen Gegenden viele leerstehende Schmuckstücke, die ebenfalls recht günstig zu erwerben sind.

✓ Was erwarten Sie sich bezüglich Komfort?

Ein Vorteil des Hausbaus könnte offensichtlicher nicht sein: Man kann machen, was man will.

Komfort bei Neubau oder Hausbau

Wichtig ist es, vorher abzuklären, welchen Komfort man sich erwartet. © Vladimir Gerasimov – stock.adobe.com

Zentral steuerbares Licht-, Heizungs- und Jalousien-System? Zentralstaubsauger in die Wand eingebaut? Individuell gestaltete Raumaufteilung? All das trägt zu Ihrem persönlichen Wohlbefinden bei und ist auf jeden Fall ein Pluspunkt für Komfort auf Seiten der Option Hausbau.

Das heißt allerdings natürlich nicht, dass Sie sich in einem gekauften Haus nicht auch wohlfühlen können.

Der Charme von manchen bestehenden Gebäuden ist nicht zu leugnen. Man denke an alte Bauernhöfe oder an stilvolle Villen am Stadtrand.

✓ Wie wichtig ist Ihnen Umweltfreundlichkeit?

Wenn es um Energieeffizienz geht, liegen Neubauten klar vorne. Gerade bei einem Passivhaus kann ein Altbau (im Sinne von schon bestehendes Gebäude) nicht mithalten, wenn es um die monatlichen Energiekosten geht. Oder aber man ist mit hohen Umbaukosten konfrontiert, wenn man versucht das gekaufte Haus energietechnisch auf Vordermann zu bringen.

Wenn das aber möglich ist – also das gekaufte Objekt so umzubauen, dass es einem Neubau in Sachen Energieeffizienz in nichts nachsteht – ist zu überlegen, ob dies nicht im Gesamten eine umweltfreundlichere Lösung ist. Man denke an die Ressourcen, die beim Neubau aufgewendet werden müssen, gemeinsam mit dem Grundstück, das für bauliche Zwecke präpariert wird, etc.

Fazit

Der Weg zum Eigenheim birgt die ein oder andere Weggabelung. Eine der ersten davon ist die Entscheidung zwischen Hauskauf oder Hausbau. Von der Finanzierung bis zur Umweltfreundlichkeit gibt es einiges zu bedenken, was persönliche Vorlieben und fixierte Rahmenbedingungen von außen betrifft. Doch wer die richtigen Fragen stellt, ist der Lösung oft schon um einiges näher, als er denkt.

Titelbild: © megakunstfoto – stock.adobe.com