Bausparen – wenn Bank und Bund beim Bau helfen

Bausparer – wenn Bank und Bund beim Bau helfen

Eine der beliebtesten Sparformen der Österreicherinnen und Österreicher ist der Bausparvertrag – etwas kürzer und fast schon liebevoll zumeist ‚Bausparer‘ genannt. Ob Kauf oder Bau eines Hauses, oder gar eine andere Investition: Die Anlage bei der Bank, die vom Staat mit einer Bausparförderung unterstützt wird, wird als eine der verlässlichsten Sparformen gesehen.

Hier lesen Sie, was hinter dem Bausparvertrag eigentlich steckt und wie er funktioniert, inwiefern die Staatskassen ihre Finger im Spiel haben, was die verschiedenen Bausparkassen unterscheidet oder was sie gemeinsam haben und wie Sie sich am besten informieren, um an den für Sie persönlich günstigsten Bausparvertrag zu gelangen.

Prinzip Bausparen – Wie funktioniert‘s?

Im Hintergrund des Bausparvertrages liegt die Idee des gemeinsamen, zweckgebundenen Sparens. Eine Gruppe von Einzahlern füllt einen gemeinsamen Topf. Sobald der Topf ausreichend gefüllt ist, wird der erste Sparer ausbezahlt. Das wird so lange weitergeführt, bis alle Einzahler ausbezahlt wurden. In der Praxis ergeben sich daraus in weiterer Folge 3 Phasen eines Bausparvertrages.

Nachdem der Bausparvertrag abgeschlossen wurde, beginnt die Ansparphase. Sie erstreckt sich über mindestens 6 Jahre, in denen meist in Monatsraten auf ein Bausparkonto eingezahlt wird. Die monatlichen (oder in anderen Intervallen zu bezahlenden) Raten und die Mindestsparsumme werden im Vorfeld individuell bestimmt. Es kann aber auch unregelmäßig, die Gesamtsumme auf einmal, oder mit Unterbrechungen gespart werden.

Wichtig ist, dass das Geld nicht vor Ablauf der 6 Jahre verwendet wird, sonst erlischt der Anspruch auf die Bausparprämie.

Eigenheim dank Bausparer

Mit einem Bausparer wird Ihr Traum vom eigenen Heim ein Stück mehr Realität.

In der Ansparphase wird also Eigenkapital angehäuft, das später als persönliche Absicherung dienen kann. Man kann nach den 6 Jahren auch entscheiden, weiter einzuzahlen, wenn das Geld zu dem Zeitpunkt noch nicht benötigt wird. Außerdem hat man dann die Möglichkeit das Geld auch für einen anderen Zweck, als die Wohnraumschaffung zu verwenden.

Sobald es soweit ist und die Sparsumme plus Bauspardarlehen benötigt wird, beginnt die Zuteilungsphase.

Zu diesem Zeitpunkt muss allenfalls die vereinbarte Mindestsparsumme erreicht sein und das Darlehen wird auf das Konto ausgeschüttet. Das Bausparkonto wird also um die Summe ergänzt, die noch für den Hauskauf oder -bau benötigt wird.

Darauf folgt die Tilgungsphase. Das ergänzende Bauspardarlehen wird ab diesem Zeitpunkt für eine Zeitspanne von etwa 7-12 Jahren zurückgezahlt. Das ist im Vergleich relativ schnell, da die Monatsrückzahlungsraten für gewöhnlich recht hoch ausfallen.

Wie sieht die staatliche Bausparförderung aus?

Wo kommt in dem soeben beschriebenen Prozess nun die staatliche Förderung ins Spiel? Die sogenannte Bausparprämie wird jährlich auf das Bausparkonto mit eingezahlt, sofern die jährliche Bauspareinlage nicht mehr als EUR 1.200,- beträgt. Der Prozentsatz liegt zwischen 1,5% und 4%, wobei er für 2018 beim niedrigsten möglichen Wert – 1,5% – angelegt wurde. Daraus ergibt sich eine maximale Bausparprämie 2018 von EUR 18,- pro Jahr.

Diese Regelung ist, nicht wie die Wohnbauförderung, von den Ländern abhängig und wird zentral vom Bund aufgestellt. Die Prämie ist KEST-frei und wird jährlich im Nachhinein ausgeschüttet.

Verschiedene Banken – verschiedene Konditionen

Wer sich nach einem Bausparvertrag umsieht, hat in Österreich einen Marathon mit 4 Etappen vor sich: Raiffeisen Bausparkasse Gesellschaft mbH, s Bausparkasse der österreichischen Sparkassen AG, Wüstenrot Bausparkasse AG, start:bausparkasse AG (vormals Allgemeine Bausparkasse, ABV).

Jede dieser Bausparkassen hat für sich noch mehrere Produkte, die sie auf verschiedene Kundenprofile abgestimmt haben; etwa Pakete für Jungfamilien, Senioren (wo der Bausparer der Sicherung des Pflegegeldes dienen kann), oder Jugendbausparer (zu Bildungszwecken), etc. Je nach Bausparkasse und Produkt variieren etwa die Zinssätze zu Beginn der Laufzeit (bspw. X% für ein Jahr und später variabler Zinssatz) oder die Verwaltungskostenpauschale.

Beratung bei der Bausparkasse

Die Bausparkassen beraten Sie gerne bezüglich Ihres Vorhabens.

Der variable Zinssatz richtet sich nach dem EURIBOR Referenzzinssatz (Euro InterBank Offered Rate), vermindert um 1 Prozentpunkt, und kann zwischen 0,2 und 4,25% schwanken. Bei vorzeitigem Auflösen des Bausparvertrages sinken die Zinsen quasi gen Null (und die staatliche Prämie wird einbehalten).

Abgesehen von den unterschiedlichen Kassen und Produkten, wird in einem persönlichen Beratungsgespräch oft auch noch auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden eingegangen und beispielsweise Mindestsparsumme und Einzahlungsraten im Einzelfall bestimmt.

Wer berät bezüglich Bausparer?

Erste Anlaufstelle sind die Bausparkassen. Umfassende Beratung und der genaue Vergleich ist das Um und Auf für die Auswahl des richtigen Bausparvertrages. Prüfen Sie alle Angebote kritisch und rechnen Sie es so genau es geht durch, oder lassen Sie es sich vorrechnen: Inklusive sämtlicher Spesen, mit maximal und minimal zu erwartenden Zinsen.

Lassen Sie sich nicht von vielleicht recht hohen anfänglichen Fixzinssätzen blenden und fragen Sie genau nach, welche Zinssätze Sie danach erwarten können. Die sogenannte Zinsgleitklausel, die die Zinssätze variabel anpassbar machen, macht es allerdings schwierig genaue Prognosen aufzustellen (wenn es nicht ohnehin unmöglich ist, die Zinsentwicklung zu prognostizieren).

Vergessen Sie auch nicht, sich wegen der Kontoführungsgebühren zu erkundigen.

Die Wohnbaufinanzierung ist wirklich kein einfaches Unterfangen. Die großen Mengen an Geldvermögen sind oftmals nicht da, um die vier Wände rein mit Eigenmitteln zu erwerben und ein Hypothekar-, ein anderer Kredit, oder sonst eine Finanzierungsform scheinen vielleicht zu riskant. Der Bausparvertrag hat dabei den Vorteil, dass er vom Staat in Teilen unterstützt wird und zu einem Teil auch aus Eigenkapital besteht. Beachtet man dann noch andere Förderungen für den Wohnbau, wie Energieförderungen zum Beispiel, kommt man der benötigten Geldsumme schon um einiges näher.