Energiesparhaus: Alles, was Sie wissen sollten

Energiesparhaus: Alles, was Sie wissen sollten

Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass besonders im Bauwesen auf Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz geachtet werden sollte und das tut man auch. Immer mehr Bauherren erteilen der veralteten, energiefressenden Bauweise eine Absage und setzen auf erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe. Überkategorie vieler Arten von Häusern, die in diesem energieeffizienten Standard konzipiert sind, ist das Energiesparhaus. Darunter versammelt sich eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie man den Bau umsetzen kann. Eine effektiver als die andere.

Definition: Was ist überhaupt ein Energiesparhaus?

Die Palette der Energiesparhäuser ist relativ breit und eine Definition nicht so leicht aufzustellen. Allgemein geht man von Häusern mit einem Heizwärmebedarf von 15 bis 70 kWh bzw. maximal 7 Liter Heizölverbrauch pro Quadratmeter und Jahr aus. Je nach Intensität des Heizwärmebedarfs teilt sich diese Überkategorie in verschiedene Arten ein.

Pellets oder Öl oder Sonne?

Es kommt aber nicht nur auf den Heizwärmebedarf allein an. Auch wie dieser gedeckt wird und mit welchen Materialien gearbeitet wird, entscheidet über die Kategorisierung. Bei verschiedenen Energiesparhäusern kommen etwa erneuerbare Energien und Naturdämmstoffe zum Einsatz.

Alles in Allem ergeben sich daraus niedrige Betriebskosten, eine umweltschonende Bauweise und ein gutes Klima in den Räumen selbst.

Idealer Standort für ein Energiesparhaus

Was den Bedarf an Energie ebenso tief hält und die Produktion eigener Energie ankurbelt, ist ein guter Standort.

Standort bzw. Baulage für das Energiesparhaus

Die Baulage ist für ein Energiesparhaus ein wichtiges Kriterium. © Daniel Bahrmann – stock.adobe.com

Möglichst viel Sonneneinstrahlung sorgt dafür, dass sich Wände und Räume (durchs Fenster) schon per se aufwärmen. Die Solar- und Photovoltaikanlage auf dem Dach macht den Rest. Schattige Bauplätze in Waldnähe sind zwar überaus idyllisch, aber oft temperaturtechnisch eher weniger vorteilhaft.

Beim Bauen sollte außerdem auf die Ausrichtung geachtet werden. Viel zu heizende Räume richtet man demnach besser gen Süden aus, genauso die Dachfläche, die später die PV-Anlage trägt. Im Sommer gleichen schattige Paneele und das ausgeklügelte Lüftungssystem die warme Sonneneinstrahlung wieder aus.

Arten von Energiesparhäusern

Wie bereits erwähnt, gibt es die energiesparende Bauweise in verschiedenen Ausführungen. Bei der folgenden Liste möchten wir gerne betonen, dass sich die Kategorien natürlich nicht gegenseitig ausschließen – zumindest nicht alle. Passivhäuser können selbstverständlich auch in der Fertighausbauweise gebaut werden und nicht alle Energiesparhäuser sind Fertighäuser und umgekehrt.

  • Fertighaus

Schneller und preisgünstiger liegt im Trend, so auch beim Bauen. Das eigene Traumhaus entsteht für viele Häuslbauer in Form eines Fertighauses, das vor allem die eben genannten Vorteile mit sich bringt. Dabei kommt die Individualität, die man sich von einem Neubau wünscht, schon lange nicht mehr zu kurz.

Das lässt sich wunderbar mit der energiesparenden Bauweise verbinden. Ob ‚lediglich‘ Energiesparhaus oder Passivhaus – die Teile in der Werkstatt zusammengebaut und vor Ort aufgestellt, steht es dem Massivhaus in nichts nach.

Entscheidender Vorteil und wahrscheinlich Grund dafür, dass so viele Menschen ihr Energiesparhaus als Fertighaus bauen lassen, ist, dass die billigere Bauweise die höheren Kosten für die Energieeffizienz ausgleicht. Man kommt dann im Endeffekt etwa auf den gleichen Kostenpunkt, wie bei einem Massivhaus in normaler Bauweise.

  • Passivhaus

Das Passivhaus steht laut Skala des Energieausweises ganz oben auf der Energiesparliste. Erst die Siegel A+ und A++ machen das Passivhaus zu einem solchen. Diese Werte schafft es, in dem es seine Wärme nur über passive Quellen, wie Sonne, Erdwärme oder Abwärme von technischen Geräten, bezieht.

Durch die einwandfreie, luftundurchlässige Dämmung reichen diese Heizmittel auch aus. Dementsprechend braucht ein solches Haus eine gute Lüftung mit Wärmetauscher, damit die Wärme auch nicht nach außen verloren geht.

  • 3-Liter-Häuser

Der ganze Zauber dieser Bauweise wird bereits in ihrem Namen verraten. Diese Häuser verbrauchen nämlich nur 3 Liter Heizöl pro Jahr. Zur Erinnerung: um ein Energiesparhaus zu sein, darf man bis zu 7 Liter Heizöl verbrauchen. Diese Unterkategorie liegt also noch weit unter dem vorgeschriebenen Maximalwert.

Kleines Manko: man heizt eben noch immer mit Heizöl und noch nicht mit erneuerbaren Energien.

  • Niedrigenergiehaus

Hierbei handelt es sich zugegebenermaßen um eine etwas schwammige Kategorie. Allgemein bezeichnet man jedes Haus als Niedrigenergiehaus, das nur 40 bis 70 kWh/m2 und Jahr, oder 4 bis 7 Liter Heizöl im Jahr verbraucht. Im Energieausweis ist diese Kategorie nicht mehr in den vorderen Rängen anzutreffen, es handelt sich hierbei eher um einen allgemeinen Baustandard, den mittlerweile so gut wie alle Neubauten einhalten.

  • Null- und Plusenergiehaus

Diese Kategorie erklärt sich auch fast von selbst. Ein Nullenergiehaus kommt ohne externe Energiezufuhr aus, weil es so viel Strom und Wärme produzieren kann, wie es verbraucht, und ein Plusenergiehaus produziert sogar mehr Energie, als es von außen bezieht. Die Energie, die beim Bau des Hauses selbst verbraucht wird, wird dabei nicht eingerechnet.

Was sagt der Energieausweis aus?

Energieausweis: Was Sie als Hausbesitzer wissen sollten

Der Energieausweis ist in allen Bundesländern für Neu- und Zubauten verpflichtend. © Gina Sanders – stock.adobe.com

Mittlerweile in allen Bundesländern für Neu- und Zubauten verpflichtend ist der Energieausweis. Er wird gemeinsam mit dem Bau- bzw. Einreichplan erstellt und für die Baugenehmigung vorgelegt. Von Sachverständigen ausgestellt dient er auch als Planungsinstrument und als Information für Weiterverkäufe.

Der Energieausweis enthält neben den einzelnen Werten sozusagen Noten als Werte für die allgemeine Energieeffizienz.

A++ und A+ sind dabei für Passivhäuser reserviert. Niedrigenergiehäuser gibt es entweder mit Lüftungssystem oder ohne, was sich gravierend auf die Klasse auswirkt (A oder C) und dazwischen befindet sich noch das Energiesparhaus in der Klasse B.

Unter die einzelnen angeführten Werten reihen sich beispielsweise der Heizwärmebedarf, die CO2-Emissionen, der Warmwasserwärmebedarf, der Heiztechnikenergiebedarf, der Gesamtenergieeffizienzfaktor, Informationen zum Gebäude selbst (Fläche, Alter, Standort, etc.), U-Wert (also die durch Fenster und Wände verlorenen Wärme), etc.

Ratgeber als Download: Erstellung eines Energieausweises

Wer in Österreich eine Immobilie verkaufen, vermieten oder verpachten möchte, ist durch das Energieausweis-Vorlagegesetz dazu verpflichtet, einen Energieausweis zu erstellen. Bei einem Neubau oder einer umfangreichen Sanierung ist ebenfalls ein Energieausweis vonnöten. In unserer umfangreichen Checkliste erhalten Sie alle Informationen, die Sie für die Erstellung eines verbrauchsorientierten Energieausweises benötigen.

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Förderungen für energieeffiziente Bauweise

Das einzige, was einen noch abschrecken kann davor, ein Energiesparhaus zu bauen, ist der Preis. Dagegen wird aber mithilfe von Förderprogrammen vehement angekämpft. Die Energieförderung der Länder oder des Klima- und Energiefonds helfen dabei die Kosten halbwegs auszugleichen. Auf lange Frist kommt noch dazu, dass die Betriebskosten niedriger sind.

Alles in Allem steigt man oft bei einem Energiesparhaus genauso teuer aus, wie bei der nicht umweltfreundlichen Variante.

Neben der finanziellen Seite steht aber eben noch die ökologische. Geht es um Energiesparhäuser wird jeder Bauherr vor die Entscheidung gestellt, ob es einem das preisliche Plus wert ist, dafür weniger Öltanker oder Erdgasbohrungen zu verursachen, oder eben nicht. Doch wie gesagt, gemeinsam mit der Förderung und den gesparten Betriebskosten, muss man für ein wenig Umweltfreundlichkeit auf lange Frist gar nicht so weit in die Geldbörse greifen.

Titelbild: © pictworks – stock.adobe.com