Haus bauen: Tipps für einen reibungslosen Hausbau

9 Tipps für einen reibungslosen Hausbau

Wer plant ein eigenes Haus zu bauen, hat ein ganzes Stück Arbeit vor sich. Zwischen Baukosten für das Einfamilienhaus, dem Einreichplan der Baufirma und dem Ablauf beim Hausbau selbst, gibt es große Mengen an versteckten Hindernissen, die einem das Häuslbauerleben schwermachen können. Hier lesen Sie, welche diese sind und wie Sie sie gekonnt umfahren.

1. Baufinanzierung

Bei der Baufinanzierung ist wichtig, dass Sie keine Risiken eingehen. Ein solider Grundstock an Eigenkapital, gepaart mit einem in Österreich besonders beliebten Bausparer und einem Bankdarlehen, kann Ihren Hausbau ausreichend finanzieren. Planen Sie genügend Puffer ein, damit Sie für alle Eventualitäten Geld zur Verfügung haben.

Nebenkosten beachten und bis zum Ende durchfinanzieren

Was viele übersehen, sind Nebenkosten, die anfallen, wie der Kanalanschluss, die Aufschließung des Grundstücks, etc. Sollte das Haus bezugsfertig, aber kein Geld mehr für Einrichtungsdetails vorhanden sein, kann man zunächst einmal mit den Möbeln der Wohnung einziehen und dann fertig einrichten, sobald man weiter Geld angespart hat. Das wichtigste ist nur, dass die Finanzierung umfangreich genug ist, um das Haus bezugsfertig zu bauen.

Informieren Sie sich auch rechtzeitig über Bauförderungen beim Land und anderen Förderstellen. Besonders für energieeffizientes Bauen haben viele Organisationen Fördertöpfe bereit.

2. Grundstück gründlich wählen

Um den ersten Spatenstich des Hausbaus tätigen zu können, braucht man zuerst das geeignete Grundstück für seine Hauspläne. Im Widmungsplan steht geschrieben, wie und was überhaupt auf ein bestimmtes Stück Land gebaut werden darf, genaueres entnimmt man dem Bebauungsplan.

Garten oder Zufahrt im Norden?

Der Bebauungsplan bestimmt die bauliche Ausnutzbarkeit der Grundfläche. Aus diesem sind auch die Baufluchtlinien ersichtlich und schreiben vor, welche Zonen des Grundstücks bebaut werden dürfen und wo demnach etwa der Garten angelegt werden darf, etc.

Das richtige Grundstück wählen

Das richtige Grundstück zu finden ist nicht einfach und bedarf Geduld sowie Entscheidungsfreudigkeit.

Außerdem ist die Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen und wo die Zufahrt verläuft zu beachten. Befindet sich die Straße nördlich des Grundstückes, kann der Garten im Süden angelegt werden und erfreut sich der höchsten Sonneneinstrahlung und einer sonnigen Terrasse. Verläuft die Zufahrt auf der südlichen Seite, muss man Terrasse oder Wintergarten zur Straße hin bauen, wenn man es dort nicht vorwiegend schattig haben möchte.

Location, Location, Location

Außerdem sollte man sich über persönliche Präferenzen im Klaren sein. Das betrifft die Nähe zum Nachbarn, Dichte des Siedlungsgebietes, Infrastruktur, Demographie der Nachbarn (Beispiel: ein Siedlungsgebiet, wo vorwiegend junge Familien wohnen, damit etwa die Kinder miteinander spielen können, etc.), Umgebung, etc. Wie nahe der Stadt will ich wohnen? Von wie viel Natur will ich umgeben sein. Außerdem wird die Lage auch einen wesentlichen Faktor beim Preis spielen.

3. Lockeren Zeitplan aufstellen und einhalten

Lassen Sie sich viel Zeit zum Bauen und rechnen Sie eventuell mit Verzögerungen, vor allem, wenn Sie sonst Ihre Wohnsituation gefährden. Gesetzt den Fall, Sie kündigen Ihre Wohnung mit einem gewissen Datum, können aber das Einzugsdatum in das neue Haus nicht einhalten, werden Sie vorübergehend anderswo wohnen, oder in das nicht bezugsfertige Haus einziehen müssen. Es muss zwar nicht jedes Dekoelement sitzen, bevor Sie einziehen, aber zumindest die Hauptwohnräume sollten funktionsfähig sein.

4. Raumplanung, Aufteilung und Nutzung: langfristig planen

Überlegen Sie genau, wie Sie wohnen: Welche Gewohnheiten, Hobbys, Vorlieben haben Sie? Einige Räume werden immer gebraucht, aber wenn man schon sein eigenes Haus baut, kann man auch Hobbyraum, extra Waschküche, Atelier, Gästezimmer, Lesezimmer, oder sonstiges miteinplanen. Das kann bis in kleinste Details gehen, wie zum Beispiel, wie Sie Türen für gewöhnlich öffnen und wo sich die Lichtschalter befinden. Gehen Sie alle Ihre Abläufe im künftigen Haus genau durch.

Wichtig ist die sorgfältige Raumplanung im Vorhinein, denn jeder Umbau ist mühsam. © Gina Sanders – stock.adobe.com

Denken Sie an die Details und verlieren Sie auch den Überblick über das Gesamte nicht. All das ist vor allem schon bei der Planung wichtig. Umplanen geht schnell – das Umbauen wird mühsam.

Halten Sie auch im Hinterkopf, dass gewisse Dinge und auch Sie sich verändern. Planen Sie gegebenenfalls die Räume so, dass Sie deren Zweck ändern können, wenn nötig.

Menschen werden älter und man weiß nie was passiert. Breitere Türen und die Möglichkeit barrierefrei umzubauen, kann einem im Falle des Falles später viel Zeit, Nerven und Geld sparen. Altersvorsorge umfasst auch, das Leben auf einem ebenerdigen Geschoß möglich zu machen.

5. Innovative Ideen zum Hausbau, Bautechnik & Smart Homes

Die Technologie macht logischerweise auch nicht vor der Bautechnik halt. Smart Home und Energieeffizienz scheinen die Schlagwörter der Stunde zu sein.

Wenn es um Smart Homes geht, gilt sich zu überlegen, wie weit die Steuerung des Eigenheims gehen soll, denn möglich ist vieles. Die Jalousien können sich automatisch ausrichten und bei Wind zurückziehen. Die Pelletheizung kann von selbst erkennen, ob sie noch heizen muss, oder ob die Solarheizung das Wasser im Boiler schon genügend aufgeheizt hat. Von sprachgesteuertem Multimediasystem gar nicht zu sprechen.

Das Tablet oder Smartphone dient als Fernsteuerung für Heizung, Fenster, Türen und sämtliche elektronische Geräte. Man muss unterwegs nicht mehr überlegen, ob man den Herd abgedreht hat – man kann einfach nachschauen.

6. Energie- und Wärmehaushalt

Einen Energieausweis braucht heutzutage jedes neugebaute oder zu verkaufende Haus. Ob dieser mehr oder weniger beeindruckend ausfällt, entscheidet natürlich die Bauart. Man kann so bauen, dass man sich gerade so an die Mindestanforderungen der Bauordnung hält, oder sich ein Niedrigenergie- oder gar ein Passivhaus zulegen.

Energiesparhäuser: Wie ökologisch will ich bauen?

Passivhäuser sind jene, die, sofern sie über eine Photovoltaikanlage verfügen, komplett energieautark sind. Sie beziehen dann weder Gas noch Strom aus einem lokalen Netz, sondern produzieren, speichern und nutzen Wärme und Energie selbst. Photovoltaikanlage, Kreuzwärmetauscher im Lüftungssystem und ideale, natürliche Dämmstoffe machen Ihr Haus zu einem eigenen kleinen, autarken Kraftwerk, was in Zeiten der Energiewende als absolut zukunftsfähig gilt.

Darüber hinaus wird auch sommerliche Überwärmung ein immer wichtigeres Thema. Große Glasflächen im Süden sind zwar ein maximaler Licht- und Wärmelieferant, was im Winter die kurzen, kalten Tage gleich sehr viel länger und wärmer erscheinen lässt, im Sommer aber sauniert man dahinter unfreiwillig. Darauf ist zu achten und beispielsweise mit speziellen Raffstores entgegenzuwirken, deren Lamellen sich so einstellen lassen, dass zwar Licht in den Wohnraum kommt, aber die Glasfläche und somit der Raum dahinter nicht zu sehr von der Sonne aufgewärmt werden.

Die Wahl der Baustoffe

Außerdem muss man bezüglich der Baustoffe eine persönliche Entscheidung treffen. Hier spielt wohl das Thema Kosten eine recht große Rolle, denn die energieeffizientesten und umweltfreundlichsten Baustoffe sind leider meist etwas teurer.

Es stellt sich etwa die Frage zwischen Ziegel und Holz. Holz boomt zurzeit als Baustoff für die Außenwände, denn mit Holz kann man beim gleichen Dämmwert dünnere Wände bauen und hat somit bei den gleichen Außenabmessungen eine größere Wohnnutzfläche, als beim Bauen mit Ziegeln.

Beim Dämmstoff hat man die Wahl zwischen Styrodur, Mineralwolle, Zellulose- oder Holzfaserdämmung. Styrodur und Mineralwolle sind sowohl vom Stoff selbst her, als auch vom Herstellungsaufwand als umweltschädlich einzustufen. Bei der Entsorgung hat man damit weit größere Probleme, als bei den Naturstoffen. Der einzige Vorteil liegt tatsächlich in den niedrigeren Anschaffungskosten. Der Dämmungseffekt ist etwa derselbe.

7. Vergessen Sie nicht auf den Garten!

Bei der Planung Ihres Einfamilienhauses sollten Sie auf jeden Fall den Garten miteinplanen.

Garten einplanen

Zumindest ein grober Plan des Gartens sollte bei Baubeginn stehen.

Wenn Sie ihn auch nicht parallel zum Hausbau gestalten, sollte wenigstens ein Konzept stehen und darauf geachtet werden, dass man sich nichts „verbaut“ und man dann bei der Gartengestaltung nicht noch einmal umbauen, oder Einbußen machen muss.

Woran viele nicht denken, ist, dass sich auch im Garten Einrichtungsgegenstände befinden, die vielleicht nicht so wetterfest sind, wie die Pflanzen. Diese müssen dann in einem Innenraum Zuflucht finden, und zwar am besten in einem dafür eingeplanten Raum. Ein Teil der Garage, ein Zubau, ein Raum im Keller, oder eine schöne Gartenhütte wären dafür passend.

Wenn man früh genug auch daran denkt, passt dieser Stauraum schlussendlich auch zum Gesamtkonzept dazu und wirkt nicht, wie ein undurchdachter Anbau.

Der Garten ist ein Raum, in dem Witterungen herrschen, selbst wenn man ihn gerne als eine Art zweites Wohnzimmer benutzt. In diesem „Wohnzimmer“ geht aber eben auch der Wind und es regnet. Eine zumindest nach Westen vor Wind geschützte Terrasse ist auch dann ein angenehmer Ort, wenn der österreichische Westwind, oder Föhn durch den Garten bläst.

8. Die Baufirma klug wählen und den Bauvertrag beachten

Zugegeben: Es kursieren ganz schauderhafte Geschichten über manches bei der Zusammenarbeit mit einer Baufirma Schiefgegangene. Lassen Sie sich davon nicht beunruhigen. Die meisten Baufirmen sind verlässlich und professionell; Sie sollten nur vielleicht nicht nach dem Billigstbieter suchen.

die richtige Wahl der Baufirma

Mit der richtigen Baufirma wird Ihr Hausbau ein voller Erfolg.

Informationen über die Baufirma

Informieren Sie sich einfach bei der Firma selbst und kundschaften Sie ihre Erfahrungen und Referenzen aus. Die meisten Baufirmen präsentieren ihre Projekte auf der Webseite. Vielleicht bekommen Sie auch die Möglichkeit mit Bauherren zu sprechen, die in der Vergangenheit mit der Baufirma Ihrer Wahl zusammengearbeitet haben.

Einschätzen der eigenen Fähigkeiten

Ohne Baufirma wird es auf jeden Fall nicht gehen, außer Sie stammen selbst aus dem Baugewerbe. Vielleicht können Sie dennoch das ein oder andere selbst erledigen, überschätzen Sie sich aber dabei keinesfalls. Es kommt vor, dass Bauherren selbst Hand anlegen und anschließend die Baufirma die jeweilige Aufgabe fertigstellen, oder ausbessern muss.

Wichtige Klauseln im Bauvertrag für Ihre Absicherung

Im Bauvertrag regeln Sie alles Wichtige mit der Baufirma und es lassen sich auch Sicherheiten vereinbaren. Verlangen Sie zur Absicherung einen Haftrücklass und einen Deckungsrücklass. Der Deckungsrücklass beträgt maximal 10 % und wird von den Teilrechnungen abgezogen, falls etwas beim Bau nicht hinreichend ist. So haben Sie etwa Geld zur Verfügung, um die Firma zu wechseln, sollte die Baufirma aus Konkursgründen, oder ähnlichem nicht mehr weiterbauen können.

Am Ende der Baumaßnahmen wird eine endgültige Schlussrechnung gestellt, wo alle Leistungen nochmal angeführt, eine Summe erstellt und anschließend die Teilzahlungen abgezogen werden. Von der Restzahlung wird dann idealerweise ein Haftrücklass (von 3-5%) abgezogen, der auf eine Dauer von 3 Jahren der Baufirma sozusagen vorbehalten wird. Nach den 3 Jahren Gewährleistungsfrist erfolgt eine Kontrolle des Hauses. Im Falle von Mängeln muss die Baufirma diese dann beheben, um den Haftrücklass zu erhalten. Tut sie das nicht, hat der Bauherr das Geld zur Verfügung, um eine andere Baufirma die Mängel beheben zu lassen.

Ganz grundsätzlich haftet die Firma für arglistig versteckte Mängel am Bau 30 Jahre lang.

9. Checkliste: Schritte und Fristen beim Hausbau

Vor allem, wenn es um Genehmigungen und Förderungen geht, sind Fristen und ein abgestimmter Ablauf essentiell. Im Folgenden finden Sie alle Schritte vom Grundstückskauf bis zum Bauabschluss chronologisch aufgelistet:

  1. Grundstück auswählen und kaufen
  2. Im Grundbuch eintragen lassen
  3. Baufirma auswählen (eventuell auch vorher schon) und mit ihr das Haus planen
  4. Einreichplan und Energieausweis erstellen lassen
  5. Mit diesen Unterlagen und der Baubeschreibung das Ansuchen beim Bauamt (Gemeinde oder Magistrat) um Baugenehmigung und beim Land um Förderungen stellen. Die Förderungen werden je nach Energieeffizienz, Einkommen und generelle Situation der Antragsteller, etc. angepasst.
  6. Baubescheid wird ausgestellt, anschließend besteht eine Einspruchsfrist für Anrainer, und die Frist für die Baufertigstellung wird gestellt (meistens 2-5 Jahre). Nach der Einspruchsfrist kann begonnen werden und innerhalb der Fertigstellungsfrist muss der Bau laut Einreichplan abgeschlossen sein. Wird ab dem Ausstellen des Baubescheids nicht innerhalb von (meistens) 5 Jahren zu bauen begonnen, muss ein neuer Antrag gestellt werden.
  7. Nachdem der Baubescheid ausgestellt wurde, wird dem Bauamt ein Bauführer und der Baubeginn genannt. Es handelt sich beim Bauführer zumeist um den gewerberechtlichen Geschäftsführer der Baufirma.
  8. Nun wird nach den Auflagen im Baubescheid, dem Einreichplan und unter Einhaltung des Bautechnikgesetzes
  9. Beim Abschluss des Baus unterschreibt der Bauführer und bestätigt, dass alle Vorgaben eingehalten wurden.

Grundsätzlich gilt, dass ein Hausbau immer ein Kompromiss sein wird. Es ist zwar wichtig, dass Sie genau wissen, was Sie wollen. Es ist aber mindestens genauso wichtig sich mit B-Plänen zufrieden geben zu können, wenn etwa beim Grund in der perfekten Lage der Garten nicht im Süden liegt, oder gewisse architektonische Ideen aus baustatischer Sicht nicht möglich sind. Sie werden nicht alles zu 100 % durchsetzen können.

Titelbild: © DanBu.Berlin – stock.adobe.com